Was läuft hinter den Kulissen der Basler Fasnacht? Die Sicht eines Passiven.

«Hängged d Drummle a, dr Morgestriach foht a» – am Montag ist es wieder soweit. Das Warten hat ein Ende, es isch widr Fasnacht. Ich selbst bin sozusagen aktiv passiv unterwegs. In einer Clique war ich nie. Aber hier mal eine Idee, wie ich es mir die Fasnacht als Aktiver vorstelle. Ich weiss: ein heikles Thema. Deshalb, liebe Fasnächtler: Nicht sauer werden, falls was nicht stimmt. Gegooglet hab nämlich extra nicht. Und falls ihr mich korrigieren möchtet: gerne!

(BLICK)

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Also, ich stelle mir das wie folgt vor: Fangen wir beim Ändstraich an. Es ist Donnerstagmorgen, vier Uhr. Eigentlich soll die Trommel verstummen, aber nur noch zwei Minuten, bitte, bitte, bitte, denk ich mir und spiele heimlich noch ein paar Takte. Einfach ganz leise. Dann gehts ab in den Cliquenkeller – zum Zmorge. Aber ohne Mählsuppe, sondern mit Gipfeli und Käse. Weil irgendwann hat doch auch ein Fasnächtler genug von diesem Food, richtig? Um 10 Uhr bin ich endlich zuhause. Aber ich denke schon an die nächste Fasnacht. Das Datum hab ich mir schon fett in die Agenda eingetragen.

Nach einer Putzaktion im Cliquenkeller am Freitag heisst es am Samstag: Kehrus! Und dann wären ja noch die Bummelsonntage. An einem mache ich mit und an den anderen zwei gehe ich ein bisschen gässle – selbstverständlich im Schissdräckzigli mit Trommel. Die nächsten vier Wochen ist aber erstmal Pause. Doch dann juckt es wieder. Ich frage mich: Könnte ich die Märsche noch perfekter spielen? Gibt es vielleicht doch noch einen, den ich nicht kann? Also fange ich wieder an zu üben. Schliesslich ist die nächste Fasnacht nur noch etwa 330 Tage entfernt. Im Frühling und Sommer probe ich einen Abend pro Woche zuhause und einen mit meiner Clique.

Next Challenge: das Sujet! Bereits in den Strandferien tippe ich erste Ideen ins Smartphone und sammle skurrile News aus aller Welt. Zudem halte ich mich über die Stars und Sternchen der Region Basel auf dem Laufenden. Schliesslich muss im Oktober ein Vorschlag her.

Langsam beginnt die Weihnachtszeit. Statt Geschenken kaufe ich mir einen Rahmen für mein neues Kopflatärnli und eine unlakierte Larve für mein Zischtigskostüm. Sollte wieder mal ein neues haben, finde ich. Und als ich doch noch Geschenkpapier kaufe, sehe ich darin das Stoffmuster fürs Kostüm, das so gut zum Sujet passt.

Es ist Anfang Januar. Jetzt heisst es üben, üben, üben! Beim Drummeli, Charivari oder Pfyfferli will ich alles geben. Und vielleicht einen Preis abholen!

 
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Sonntagabend vor der Fasnacht. Laterne einpfeifen und -trinken ist angesagt. Dann aber ab nach Hause. Schonen. Schliesslich sind die drey scheenschte Dääg nicht nur schön, sondern auch anstrengend. Um neun Uhr gehts ins Bett.

 
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Montag, drei Uhr dreissig. Kostüm anziehen, einstehen, nervös sein. Obwohl ich es schon hundert Mal erlebt habe, bin ich aufgeregt. Es ist vier Uhr. Das Licht ist aus, wir ziehen los. Nach ca. einer Stunde ist Pause. Die erste Ziiebelewähie und die erste Mählsuppe schmecken am besten. Bis sieben Uhr nochmals gässle und dann nach Hause. Von 14 bis 18 Uhr ziehe ich am Cortège durch die Stadt. Die Füsse tun weh, aber ich spür das gar nicht. Abends gibt es auch ein geordnetes Programm.

 
(BLICK)

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Am Dienstag ist Kinderfasnacht. Da bin ich den ganzen Tag mit meinem selbst zusammengestellten Team unterwegs. Und abends auch.

(SRF)

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Mittwoch. Leider schon der letzte Tag. Nochmals Cortège, nochmals geordnetes Programm. Und der Ändstraich ...

So, ich hoffe, ich hab euch nicht enttäuscht, liebe Fasnächtler. Und wie gesagt: Ich bin gespannt, was stimmt und was nicht.

 

In diesem Sinne: Ich wünsch alle e schöni Fasnacht!!

 

 

 

Benedikt Lachenmeier