Deshalb fühlt sich Weihnachten wie eine Droge an

Weihnachten ist schon wieder zwei Tage her. Das Völlegefühl nimmt langsam ab. Das Funkeln in den Kinderaugen erlischt. Der Weihnachtsbaum verliert seine Nadeln. Weihnachten ist ein Rausch – und jetzt hast du einen Kater. Selbst wenn du auf das grosse Besäufnis verzichtet hast.

Weihnachten wirkt wie eine Droge. Warum? Gehen wir davon aus, dass an den Festtagen alles so läuft wie gewünscht. Wir versammeln uns mit lieben Menschen, das Essen schmeckt super und die Geschenke sind auch der Hammer. Das Gefühl von Freude breitet sich aus. Für Glücksmomente ist vor allem das Belohnungssystem verantwortlich. Dieses Netzwerk ist besonders gut erforscht, weil es auch an jeder Form von Sucht beteiligt ist. Der Neurotransmitter, auf den die zugehörigen Hirnareale reagieren, heisst Dopamin. Alle bekannten Drogen beeinflussen die Konzentration dieses sogenannten Glückshormons.

Die Freude an Weihnachten ist vergleichbar mit der Euphorie, die eine Droge bewirkt.

Die Freude an Weihnachten ist vergleichbar mit der Euphorie, die eine Droge bewirkt.

Die Freude, die du an Weihnachten verspürst – vorausgesetzt du magst Weihnachten – ist vergleichbar mit der Euphorie, die du durch eine Droge erlebst. Natürlich ist die Dosierung um einiges geringer. Das Belohnungssystem sorgt aber auch dafür, dass der Zustand der Glückseligkeit wieder abnimmt. Das ist überlebenswichtig. Würden wir uns immer euphorisch fühlen, wären wir nicht mehr motiviert, uns um lebenswichtige Bedürfnisse zu kümmern. Was passieren würde, wenn wir in einem Dauerrausch wären, testete der Psychologe James Olds in den 50er-Jahren an Ratten. Er ermöglichte den Tieren mit einer Elektrode, ihr Lustzentrum im Hypothalamus direkt zu stimulieren. Das ist der Ort, an dem das Belohnungssystem das Dopamin ausschüttet. Die Ratten machten nichts mehr anderes, als dauernd die Elektrode auszulösen. Sie gaben sich einen Dopamin-Kick nach dem anderen – und verhungerten.

 Zum Glück ist der Dopamin-Ausstoss aufgrund der Weihnachtsfreude ziemlich gering. Weihnachtssüchtig kannst du also nicht werden. In diesem Sinn: Happy new year!

Benedikt LachenmeierComment