You are currently viewing Wie gender ich gerecht?
Textair, wie gender ich gerecht?

Wie gender ich gerecht?

  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

TexterInnen, Texter*innen oder vielleicht doch lieber Texter:innen? Gendern ist gar nicht so einfach. Wir machen Ordnung im Gender-Dschungel.

Vor 50 Jahren wurde beendet, dass die Wähler wirklich nur Wähler waren. Heute ist die Gleichberechtigung unbestritten, ebenso das Streben nach einer gemeinsamen Sprache für alle Geschlechter. Doch die praktische Umsetzung dieses gesellschaftspolitischen Konsens bietet Konfliktpotenzial. Denn – auch in diesem Fall – ist die deutsche Sprache eine schwierige Sprache. Wie simpel und schön funktioniert dagegen das geschlechterneutrale Englisch: Farmer zum Beispiel steht für Agronomen aller Geschlechter. Das gilt für (fast) alle Berufsbezeichnungen, auch für Disc Jockey, kurz DJ. Als Begriff längst eingedeutscht, betitelte man Frauen an den Plattentellern in deutschsprachigen Postillen und auf Party-Flyern als She-DJ oder DJane.

Das Beispiel zeigt, wie eingeprägt Geschlechterzuweisungen bei uns sind.

Dieses Problem prägt unseren Berufsalltag. Wir wollen alle Menschen ansprechen. Darum suchen wir bei Textair nach zeitgemässen und verständlichen Lösungen. Denn heute noch zu behaupten, mit generischen Maskulin seien alle Geschlechter mitgemeint, ist so altbacken wie in der Beiz fingerschnippend das Fräulein zu rufen.

Lange las man die Schrägstrichlösung Texter/-in oder das Binnen-I TexterIn.

Doch beide sind binär, beziehen nicht alle Geschlechter ein. Darum entstand in den letzten Jahren eine Vielzahl an schriftlichen Lösungsvorschlägen, so verschieden und bunt wie die Menschheit.

Eine kleine Auflistung der genderneutralen Möglichkeiten in historischer Abfolge:

Generisches Maskulinum: Texter
Angeblich geschlechtsneutral: Frauen sollen mitgemeint sein. Altbacken und nun auch ausrangiert. Wurde mit der neuesten Weisung der Bundeskanzlei zur gendergerechten Sprache offiziell aus amtlichen Dokumenten verbannt.
Schrägstrich-Lösung: Texter/-in
Amtlich korrekte Schreibung. Für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen.
Binnen-I: TexterIn
Seit den 1980ern häufig in Gebrauch, um in einem Wort Männer und Frauen zu nennen. Vor allem in der Schweiz en vogue.

Non-binäre Spracherweiterungen

Gender Gap: Texter_in
Die Lücke mit Unterstrich öffnet den Raum für geschlechtliche Variationen.
Gendersternchen: Texter*in
Der sogenannte Asterisk steht für geschlechtliche Vielfalt. Doppelpunkt: Texter:in Macht dem Genderstern als gefällige Variante Konkurrenz. Ihm fehlt jedoch die symbolische Kraft. Scheint sich in der Schweiz durchzusetzen.

Eine Suche mit Stolpersteinen

via GIPHY

In den letzten fünf Jahren entstanden etliche weitere Varianten – vom spanischen umgedrehten Ausrufezeichen bis zum schlichten Mediopunkt. Diese Versuche mit der deutschen Sprache auch non-binäre Menschen miteinzubeziehen, sind für uns Sprachprofis sehr spannend. Denn bislang kennt die deutsche Sprache keine Mittel, um Menschen zu benennen, die weder weiblichen noch männlichen Geschlechts sind.

Sprachexperimente, aber nicht offiziell

All diesen Typo-Lösungen gemeinsam ist der experimentelle Charakter. Noch keine wurde vom Duden oder sonst einer offiziellen sprachlichen Instanz anerkannt. Ein Problem aller Typo-Lösungen liegt in der Lesbarkeit, die bei konsequenter Verwendung extrem leiden kann. Beispiel: Der*die Texter*in bezeichnet eine*n geeignete*n Mitarbeiter*in, die*der ihn*sie bei Bedarf gerne berät. So entsteht eine zusätzliche Barriere für Menschen, die ohnehin Schwierigkeiten beim Lesen von Texten oder beim Erlernen der deutschen Sprache haben. Noch ist auch unklar, mit welcher Gender-Typo sich Texte für Sehbehinderte am besten vorlesen lassen. Selbst zwischen spezifischen Betroffenen-Verbänden variieren die Vorlieben und Gewichtung von Argumenten. Was also ist heute die treffendste Lösung für eine gendergerechte Sprache?

Unsere Wahl

Bei Textair halten wir uns an vier so weise wie pragmatische Tipps im Umgang mit gendergerechter Sprache vom Rat für deutsche Rechtsschreibung, verantwortlich für die Pflege der deutschen Sprache.
  • Bleiben Sie sachlich korrekt und verständlich.
  • Achten Sie auf den Lesefluss: Lässt sich der Text gut sprechen?
  • Schreiben Sie so, dass der Text seiner Funktion entspricht.
  • Passen Sie die Schreibweise der Zielgruppe an.
Also eigentlich ändert sich nicht viel. Wir suchen immer kreativ nach den passenden Worten für eine möglichst einfache und treffende Sprache, je nach Bedürfnissen und Vorgaben. Gendergerechte Kriterien sehen wir als zeitgerechte und menschenfreundliche Rahmenbedingung für unseren generellen Anspruch, eine Sprache für alle Menschen zu finden.

Was heisst das für die tägliche Arbeit?

 

via GIPHY

Am schicksten sind genderneutrale Formulierungen:
  • generelle Ausdrücke: Mensch, Person, Gast
  • Sachbezeichnungen: die Leitung, das Präsidium
Gibt es keine passende neutrale Form und wird der Text mit Doppel- oder Paarformen zu schwerfällig, nutzen wir den Doppelpunkt. Also zum Beispiel: Texter:in. Diese Lösung ist zeitgemäss und am praktikabelsten. Die kurze Pause beim Vorlesen kommt intuitiv und wird auch von einer Künstlichen Intelligenz so gelesen. Das ist vor allem wichtig für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen, die für den Medienkonsum teilweise Screenreader benutzen. Zudem fügt sich der Doppelpunkt unkompliziert ins Schriftbild ein. Du brauchst Unterstützung beim Schreiben von gendergerechten Texten? Dann melde dich bei uns. Und für alle, die das Thema weiter vertiefen möchten, gibt es unseren Lesetipp: https://www.genderleicht.de

Schreibe einen Kommentar