You are currently viewing Die Macht des Wortes

Die Macht des Wortes

  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Die Macht des Wortes.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Sagt man so schön, ist aber nicht so – finden wir. Welche Macht das Wort hat? Bitte weiterlesen.

Der Mensch ist ein visuelles Wesen: Bilder bilden 90% der Information, die im Hirn ankommt. Gut die Hälfte unseres Hauptorgans ist für deren Verarbeitung spezialisiert. Darum nehmen wir visuelle Inhalte 60’000-mal schneller auf als Text. Bilder wecken Emotionen, kitzeln Synapsen, regen an zum Denken und bleiben deshalb besser und länger im Hirn gespeichert. Sie lösen emotionsgesteuertes Verhalten aus. Und für Werbung und Marketing besonders verlockend: Menschen glauben leichter, was sie mit eigenen Augen gesehen haben. Gelesenes wird eher hinterfragt.

Warum tippe ich eigentlich noch?

via GIPHY

Weil Bilder erst durch Worte wirklich wirken.

Schrift und Bild gelten als Konkurrenzmedien. Doch eigentlich gehören sie zusammen. Fotografie bedeutet wörtlich übersetzt «Lichtschrift». Und dieses Bild leuchtet nur dank Sprache – selbst wenn der wortgewaltige Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholskys einst behauptete, ein Bild sage mehr als tausend Worte.

Was das Bild nicht kommunizieren kann «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» – Tucholskys Metapher ist nur sehr beschränkt berechtigt. Ja, ein Bild wirkt unmittelbar. Das ist seine evolutionsbiologische Stärke. Visuelle Eindrücke schützten uns einst vor Säbelzahntiger-Attacken, heute eher vor Rowdys im Strassenverkehr.

Aber ein Bild ohne sprachlichen Kontext ist eigentlich unaussprechlich. Was will man in Worte fassen, was stellt es dar? Linien, Farbe, Posen oder die Perspektive? Da verschlägt es einem die Sprache.

Alleinstehende Bilder sind keine narrativen Medien. Sie können weder erzählen noch Entwicklungen darstellen. Nur durch sprachliche Einbindungen entstehen Geschichten.

Der Eindruck, dass Bilder erzählen, beruht auf dem Prozess des Selbsterzählens. So vermuten wir bei einem Auto mit eingebeulter Motorhaube: Da muss ein Unfall geschehen sein.

Bilder können nur konkrete Sachverhalte zeigen: Personen, Gegenstände, Landschaften und Ereignisse. Abstrakte Begriffe wie Armut sind nicht darstellbar, nur ärmlich gekleidete Menschen. Auch «Krise» oder «Streik» lassen sich nicht darstellen, schon gar nicht formale Begriffe wie Identität oder Kausalität.

Bilder können auch nur begrenzt quantifizieren, ob etwas einmalig ist oder häufig vorkommt. Auch die Begriffe «alle» oder «wenige» lassen sich nicht bildlich fassen.

Bilder können weder generalisieren noch individualisieren. Sie können keine Eigennamen darstellen. Ob die Person auf dem Bild Vreni Schneider oder Roger Federer heisst, weiss die betrachtende Person entweder bereits oder sie braucht eine Bildlegende.

Bilder sind unfähig, Negationen auszudrücken: Dass etwas nicht ist. Eine weitere zentrale Funktion und Leistung von Sprache.

Auch Neues, bisher Unbekanntes lässt sich nicht visualisieren.

Auf Bilder reagieren wir nur dank bereits erlebten Geschichten.

Und drehen wir die Perspektive mal um: Was können wir mit Bildern nicht ausdrücken?

Nun, wie oft hast du der SBB-App schon dein Reiseziel vorgetanzt? Und es liegt wirklich nicht an der Qualität deiner Pantomime-Performance, wenn Siri & Co. nicht finden, wonach du suchst.

Ok, es gibt wunderbar praktische Suchfunktionen mit Bild. Aber wie weiter, wenn du dank Foto in der hintersten Ecke des Netzes deinen Wunschpulli gefunden hast. Damit das Kleidungstück den Weg zu dir findet, braucht es zusätzliche Text-Angaben zur Verfügbarkeit, Grösse, Preis, Zahlungsmethoden, Lieferadresse.

Ganz zu schweigen von den ganzen Background-Texten für die Suchmaschine. Damit die überhaupt verstanden hat, dass der Pulli auf dieser Page ist. Kein Bild oder Video lässt sich ohne Dateinamen hoch oder ohne Titel und Beschreibungstext finden. Und jemand hat das Programm geschrieben, damit die Page läuft und die Bilder optisch fein daherkommen.

Und ok, die populärsten Social Media Plattformen setzen auf die Wirkung von Bildern: bewegt oder geschönt. Als User:in könnte man nur mit Bildern und Emojis kommunizieren. Doch wenn im Netz nur Bilder und Videos interessant wären, dürfte es Seiten wie die Wikipedia gar nicht geben. Bei einigen Themen muss man ein bisschen weiter ausholen, damit sie verständlich werden.

Text geht immer und ist einfach

Nicht jede Situation ist passend, um ein Video oder eine Audionachricht abzuspielen. Entweder man will nicht, dass die Umgebung alles mitbekommt. Oder der Empfang ist zu schlecht, das Laden der Daten zu teuer oder das Abo-Volumen nur begrenzt.

Bilder und Videos beanspruchen grosse Datenmengen. Mit der Qualität steigen die technischen Anforderungen und damit auch die Hürden.

Klar: Gedruckte Fotos und Bilder sind davon nicht betroffen. Texte funktionieren aber auch online fast überall schnell und störungsfrei.

Texte kann man zudem überfliegen. Die Lesegeschwindigkeit ist selbstbestimmt. Ich kann Teile auslassen, doppelt lesen und anhand von Zwischenüberschriften oder einem Inhaltsverzeichnis in etwa überblicken, was mich erwartet.

Bei einem Video-Link ist es schwierig abzuschätzen, an welcher Stelle der Teil kommt, der mich eigentlich interessiert. Auch aus diesem Grund setzten die meisten TV-Sender bei ihren Webpages auf Textbeiträge mit eingebetten Clips zum jeweiligen Thema im Text.

Ohne Text ist das Internet noch heute nur für die Pornoindustrie interessant. Videos und Bilder mit Inhalt von Gehalt funktionieren fast nie ohne Text.

Vielmehr ergänzen sich Text und Bild gegenseitig. Mal steht das eine und mal das andere im Vordergrund.

Bei all der Aufregung um Bildformate im Netz werden die Stärken von Text gerne übersehen. Solche Lücken bieten ausgezeichnete Möglichkeiten, sich mit guten Texten von der Konkurrenz abzusetzen.

Denn Texte können Neues kreieren, präzise Ideen und Werte vermitteln oder diffuse Träume wecken und Fantasieren lassen. Erinnerst du dich noch an die Wunderwelt im Kopf, wenn dir jemand ein Märchen vorgelesen hat?

Das kann nur Sprache. Darum lieben wir unseren Job.

Und klar, warum nicht in Kombination mit einem Bild. Die passende Lampe über dem Text setzt auch unsere Worte in ein besseres Licht.

Einfach

Zeitlos

Präzise

Wir finden auch für dich die passenden Worte. Meld dich bei uns.

Schreibe einen Kommentar