Schweizer YouTuberinnen, wo seid ihr?

«YouTuber machen Musik, YouTuberinnen geben Schminktipps». Eine Deutsche Studie bestätigt diese Aussage – zumindest für Deutschland. Die Schlagzeile löst Widerstand in mir aus. Ich mache mich auf die Suche nach Gegenbeispielen – nach Schweizer Youtuberinnen, die nicht diesem Klischee entsprechen.

Wo sind sie? Ich meine die Game-, Sport- und Science-Youtuberinnen, die den Männern zeigen: «Was ihr könnt, können wir schon lange!» Meine Suche beginnt harmlos mit dem Google Stichwort: «Schweizer Youtuberinnen». Ich klicke mich durch ominöse Statistiken und veraltete Listen von Youtubekanälen, die nicht mehr existieren oder schon lange nichts mehr hochladen. Die einzige aktuelle Quelle scheint swisstubers.info zu sein. Laut dieser ist die erfolgreichste Youtuberin der Schweiz – gerechnet an den Klicks – die Fernsehmoderatorin Sarah von «Sarah macht’s». Aber ich suche ja nicht nach Fernsehmoderatorinnen, sondern nach Youtuberinnen, die ihren Content für die Plattform produzieren und dabei nichts mit Schminken, Kochen, Kindern posten. Also filtere ich die Liste: Keine Fernsehformate, keine stereotypischen Themen. Die Liste der verbliebenen potenziellen Youtuberinnen schrumpft – zu meinem Erstaunen – nach und nach weg.

Science- und Tech-Youtuberinnen: In anderen Ländern gibt es sie

Wirft man einen Blick auf die Nachbarländer der Schweiz oder auf Übersee, findet man untypische Youtuberinnen sehr viel schneller: Die deutsche Science-Youtuberin maiLab, die unterhaltsam über Coronaimpfungen, Glutamat und Low Carb berichtet, hat rund 1.3 Millionen Abonnenten. Die Amerikanerin auf dem Youtube-Kanal «Tech me out» stellt technische Geräte und neue Technologien vor und fällt als Person of Color gleich doppelt auf. Die französische Youtuberin Charlie Danger nimmt historische Ereignisse und Themen unter die Lupe und handelt sie unterhaltsam und verständlich ab. Frage: Warum gibt es nicht mehr davon, und warum keine in der Schweiz?!

Youtube als Beruf ist kaum möglich

Um diese Frage zu beantworten hilft es vielleicht zu verstehen, was Youtuberinnen und Youtuber eigentlich den ganzen Tag so machen. In den Videos erzählen, spielen, schminken sie mit einer so grossen Leichtigkeit, dass ich mir manchmal denke, so ein Video müsste doch in ein, zwei Stunden gemacht sein. Oft sitzen sie aber schon für kurze Videos mehrere Stunden an der Recherche, der Aufnahme und am Schnitt. Die Professionalität ist gerade dann gefragt, wenn sie Werbeaufträge und Produktplatzierungen in ihren Videos einbauen, denn das macht den grössten Teil ihres Einkommens aus.

Spannender SRF-Bericht zu diesem Thema: YouTube als Beruf macht dich krank im Kopf

Youtuberin zu werden ist also schwer, zeitaufwändig und ertragsschwach. Wer hat also Zeit, keinen Geldbedarf und ist mutig (oder gelangweilt?) genug, um Videos von sich auf Youtube zu stellen? Genau: Die grössten Schweizer Youtuberinnen – gemessen an Klicks und Abonnenten –, die zumindest nicht immer stereotyp daherkommen, sind Schülerinnen. Sie erzählen schlicht und einfach von ihrem Leben und was sie so beschäftigt, und das ziemlich unterhaltsam und erfolgreich. 27’900 Abos hat die bis heute wohl bekannteste Schülerin aus Zürich: nathistyle.

Abwarten und nathistyle schauen

Irgendwie bin ich gar nicht enttäuscht von diesem Ergebnis meiner kleinen Recherche. Die Coronakrise hat gezeigt, dass wir uns viel zu selten fragen, was in den Köpfen von Jugendlichen eigentlich vorgeht. Ich warte also gespannt die zukünftigen, klischeefreien Schweizer Youtuberinnen ab, die hoffentlich noch kommen werden, und schaue bis dahin ein bisschen nathistyle.

Waren wir auf einem Auge blind und du kennst erfolgreiche Schweizer Youtuberinnen, die so gar nicht dem Klischee entsprechen? Teil mit uns deine Weisheit!

Eure Andjelka

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