Auf den Spuren der Adventsgedichte

Auf den Spuren der Adventsgedichte

Auf den Spuren der Adventsgedichte

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – jedes Kind kennt diese Worte. Sie gehören zum wohl berühmtesten Weihnachtsvers im deutschsprachigen Raum. Doch wo wurde dieses Gedicht erfunden? Wer hat es geschrieben? Und gibt es eigentlich Variationen und Neuinterpretationen? Wir begeben uns auf Spurensuche in die Tiefen der weihnachtlichen Texterei.

Gemeinsam mit dem Duft von Zimt, Nelken, Orangen und Lakritz läutet dieses berühmte Gedicht die wohlig-warme Zeit der Besinnlichkeit und Zusammenseins ein. Der Countdown zum Weihnachtsfest beginnt ja schliesslich mit dem Anzünden der ersten Adventskerze am ersten Adventssonntag.

Das Original

Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt.
Erst ein, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.

Erstmals schriftlich dokumentiert wurde dieses Gedicht im Jahre 1960. Es dürfte aber einiges älter sein. Die genauen Jahreszahlen und auch der Verfasser sind leider unbekannt. Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Schlussendlich wird in Reimen der Ablauf des Dezembers abgehandelt. Aber was passiert denn alles zwischen den vier Lichtlein? Hier fehlt einiges an Information: Der Weihnachtsmarkt mit dem Glühweinsaufen, der Kaufmarathon für die ganzen Geschenke und der Stress mit dem Weihnachtsmenü. Dieses soll ja schliesslich den fleischfressenden Cousins genauso schmecken wie dem veganen Onkel und der Laktose intoleranten Tante.

Advent auf dem Pausenhof

Was passiert, wenn im vorweihnachtlichen Schulstress die Kerzen nach Unterrichtsschluss niemand auspustet, zeigt diese Variation des Weihnachtsgedichts:

Advent, Advent die Schule brennt
Um eins brennt sie in hellem Schein
Die Lehrer finden das gemein
Um zwei da brennt sie immer noch
Die Schüler sagen lass sie doch
Um drei da kommt die Polizei 
Die findet weiter nichts dabei
Und wenn sie um Vier immer noch brennt
Dann hat die Feuerwehr gepennt!!!!

Jeder kennt solche humoristische Textergüsse aus der Schulzeit. Einen einfachen Reim nehmen und daraus Verse basteln, die jedes Schulkind über den Pausenhof brüllen kann und sich anschliessend vor Lachen zu kugeln. Wieviel Advent wirklich in diesem Gedicht steckt, ist fraglich. Witzig ist es allemal (je nach Alter der Leserschaft).

Langeweile in Reimen

Es gibt unzählige Autoren, die zum Thema Weihnachten ein Gedicht verfasst haben. Ich möchte dir hier ein paar Beiträge zeigen. Viele dieser Beiträge versuchen mit aller Kraft, den Geist von Weihachten und die Besinnlichkeit der Adventszeit einzufangen. Doch in Wirklichkeit sind sie vor allem eines: langweilig. Nicht, dass sie schlecht geschrieben sind – okay einige Reime funktionieren bei aller Liebe trotzdem nicht – aber der Inhalt ist repetierend und hat keinerlei Pepp. 

Monika Minder

Es dämmert früh in der Adventszeit 
Doch viele Lichter sind bereit.
Der Weihnachtsmarkt ist aufgebaut
Und leuchtet hell aus tristem Grau.

Es ist so: Im Winter wird es früher dunkel. Der Mensch hat deswegen auch Kerzen und Lampen erfunden, um der frühen Dunkelheit zu trotzen. Adventsstimmung kommt zumindest bei mir nicht gross auf, wenn ich diese Verse lese.

Elise Hennek

Im Advent bei Kerzenschein
Die Kindheit fällt mir wieder ein.
Ein Adventskranz mit seinen Kerzen
Lässt Frieden strömen in unsere Herzen
Des Jahres Hektik langsam schwindet
Und Ruhe endlich Einkehr findet
Ein Tag, er kann kaum schöner sein,
Als im Advent bei Kerzenschein

Wieder Kind sein. Das ist der Traum vieler Menschen. Schön, dass dies an Weihnachten klappen kann. Wenn der Geschenkestress vorbei ist und das Menü auf dem Tisch, dann geniesst man doch etwas Ruhe und Entspannung. 

Tarantino? Nein, das ist Loriot

Das wohl makaberste, aber deswegen nicht minder witzige Adventsgedicht stammt vom Grand Monsieur der deutschen Humoristenzunft: Loriot. In seinem legendären Werk vereint Herr von Bülow die Besinnlichkeit, das Basteln von Geschenken, das Kerzenlicht und auch die Ruhe, die ins weihnachtliche Heim einkehren kann auf spezielle Art und Weise. Ich möchte dir hier nicht zumuten, weitere Gedichte lesen zu müssen, deshalb hör es dir an:

Schreib doch mal ein eigenes Gedicht

Welches Gedicht gefällt dir am besten? Hast du schon einmal daran gedacht, ein eigenes Gedicht zu schreiben? Es darf durchaus kitschig sein oder eine Prise Humor beinhalten. Aber bitte schreibe keinen langweiligen Vierzeiler mit fraglichen Reimen. Dann bleibst du lieber daheim.

Doch brauchst du einen Tipp von mir,
Dann findest du ihn hier
So klappt’s dann mit der Texterei,
Denn es ist keine Hexerei.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und eine tolle Adventszeit.

Tobias