Achtung Alk – oder meine Desinfektionsmittelphobie

Achtung Alk – oder meine Desinfektionsmittelphobie

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Hände waschen gehört in diesen Zeiten einfach dazu. Wenn kein Lavabo zur Verfügung steht, bleibt nur noch das Desinfektionsmittel. Aus dem Traum der Reinheit wird aber schnell ein Albtraum, wenn die Schnappsbrenner mitmischen. Eine Desinfektionsmittelphobie war bei mir die Folge davon.

Früher war ich es mir ja gewohnt: Nach stundenlangem Schuften an der Kuppel-Bar fühlte ich mich so, als hätte ich in einer Alkflasche ein Bad genommen. Roch ich an meinen Händen, schwappte mir ein grässlicher Duft aus Hardalk entgegen. Die Mischung aus rotem Wodka, Tequila, Rum und allen anderen Drinks auf der Getränkekarte haute mich um. Auch die Dusche zuhause machte es nicht wirklich besser. Das Zeug brennt sich einfach übelst in die Haut ein.

Desinfektionsmittel riecht plötzlich nach Hardalk

Lange hatte ich Ruhe. Bis zu Corona. Irgendwann ging wohl fast allen das für mich angenehm duftende Spital-sterile Desinfektionsmittel aus. Egal, wo du hingehst, heisst es am Eingang: Bitte desinfizieren. Da werden die reinigenden Wässerchen schnell knapp. Übrig bleiben Desinfektionsmittel, die von Schnapsbrennern hergestellt werden. Es ist sooo hässlich. Neulich war ich beim Coiffeur und musste die halbe Stunde auf dem Stuhl mit – so glaube ich zumindest – Tequila an den Händen aushalten. Seither habe ich ein richtiges Trauma. Denn auch die Detailhändler bieten am Eingang Hardalk an. Aber eben nicht zum Trinken, sondern zum Desinfizieren. Für mich geht es sogar so weit, dass ich gewisse Läden deshalb meide. Ich habe bereits eine regelrechte Desinfektionsmittelphobie. Zum Glück kenne ich inzwischen ein paar Detailhändler, die noch richtiges Desinfektionsmittel an Lager haben. Und sowieso: Ich wasche mir lieber 30 Sekunden lang mit Seife die Hände. Da weiss ich, was mich erwartet.

Antiwaschzwang statt Desinfektionsmittelphobie

Apropos: Bei meiner vierjährigen Tochter hat sich ein Antihändewaschzwang entwickelt. Sie findet Händewaschen inzwischen richtig schlimm und fragt jedes Mal, wenn wir vom Spielplatz zurückkommen: Muss ich mir jetzt wirklich die Hände waschen? Ja, musst du. Leider. Das endet dann manchmal in einem regelrechten Schreikampf. Und es geht sogar soweit, dass sie oft lieber zuhause bleiben würde. Im Wissen, dass dann das gründliche Händewaschen wegfällt. Mit der kürzeren Handreinigung vor dem Essen und nach der Toilette hat sie erstaunlicherweise keine Mühe.

Aber trotz dem ganzen Händewasch- und Desinfektionsübel: Ich hoffe, dass die Leute auch nach Corona ihre Hygienegewohnheiten aufrechterhalten und sich öfter die Hände waschen. Dann hatte die Krise wenigstens einen positiven Nebeneffekt. Und was das Händeschütteln, drei Küsschen geben und Umarmen anbelangt, finde ich: Was jetzt nicht angebracht ist, sollte auch in Zukunft nicht mehr nötig sein, oder? Ein gewisses Mass an Abstand ist gesund. Das weiss man nicht erst seit Corona.

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