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So wohnen wir in Zukunft

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«Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist.» Wie wir wohnen sagt viel über uns aus. Die Mietpreise steigen, die Stadt wird enger, die Bevölkerung älter. Es braucht Lösungen für zeitgemässes Wohnen. Wir stellen drei Wohntrends des Zukunftsinstituts vor und zeigen passende Projekte aus Basel.

Wie und wo wohnst du? Die Räume, die uns umgeben, bestimmen unser Leben. Diesen Sonntag stimmt die Schweiz über die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes ab. Erschwingliche Wohnräume, lebenswerte Städte und gemeinschaftsstiftende Bauten sind Themen, die heute auf der ganzen Welt aktuell sind. Trendforscherin Oona Horx-Strathern vom zukunftsInstitut beschäftigt sich mit Veränderungen unserer Lebensräume und ihren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. In ihrer Studie «Wohn- und Bautrends 2020» beleuchtet sie aktuelle Wohntrends. Wir stellen drei Trends davon vor und zeigen zukunftstaugliche Wohnprojekte in Basel.

Trend «Vertical Village»: Sehnsucht nach urbanen Dorfgemeinschaften

«Was den Städten fehlt, ist ein kleines bisschen Dorf, könnte man salopp sagen», schreibt Oona Horx-Strathern. Mit dem Begriff «Vertical Village» beschreibt sie die Sehnsucht nach neuen urbanen Dorfgemeinschaften. Dieses Bedürfnis ist eine Antwort auf die Megatrends unserer Zeit, die geprägt ist von Individualisierung, Mobilität und Urbanisierung. Nachbarschaftliche Strukturen und trotzdem einen eigenen Rückzugsort haben, ist gefragt. Der Ruf nach lebenswertem und gleichzeitig bezahlbarem Wohnraum ist laut. Kreative Lösungen wie Coworking-Spaces und genossenschaftliche Wohnprojekte gehen auf dieses Bedürfnis ein.

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Genossenschaft Erlenflex von aussen. Bild: Ruedi Walti

Wunsch nach einem wohnlichen Basel

Auch in Basel ist dieser Trend spürbar. Zum Beispiel im Coworking-Space «Kleinhafen», wo Selbstständige einen Arbeitstisch pro Stunde oder Monat mieten können. Für «eine wohnliche Stadt und bezahlbare Mieten» engagiert sich die Stiftung Habitat. Eines ihrer Projekte ist die Genossenschaft «Erlenflex», die ein Mehrfamilienhaus betreibt. Nachhaltig, gemeinschaftlich und gleichzeitig stilvoll wohnen die Bewohnerinnen und Bewohner im extra dafür designten Haus. Im Gemeinschaftsraum mit Küche und Sofaecke feiern sie Geburtstage und kochen einmal pro Woche gemeinsam. Als Begegnungszone dient auch die Waschküche direkt neben dem Hauseingang.

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Von wegen Altersheim, Bild: Anna Auza, unsplash.com

Trend «Healthcare Architecture»: Wie Architektur die Gesundheit beeinflusst

 Lange Zeit galt das Design von Gesundheitsorten als «unsexy und wurde nur als Randbereich der Architektur angesehen», weiss Trendforscherin Oona Horx-Strathern. Doch das Verständnis von Gesundheitsorten befinde sich im Wandel. Ruheoasen, Treffpunkte und Rückzugsorte beabsichtigen die Genesung in öffentlichen Räumen. Ganz im Sinne dieses Umbruchs setzte Textair das Manifest «I SMILE, YOU SMILE» für das Kantonsspital Baselland um. Das Manifest verfolgt das Ziel, die Mitarbeitenden zu sensibilisieren, auch in Zeiten der Veränderung und Unsicherheit mit einem Lächeln voranzugehen.

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Manifest des Kantonsspitals Baselland

Die Stadt von morgen: Basel experimentiert

Die Bevölkerung wird immer älter. Als Reaktion auf den Megatrend «Silver Society» folgen Mehrgenerationenprojekte und Alters-WGs. Das neue Stadtquartier «Erlenmatt Ost» in Basel bietet allen Generationen zeitgemässen Wohnraum. Auf dem ehemaligen Güterbahnhof der Deutschen Bahn stehen 200 Wohnungen für «eine Stadt von morgen» – selbstverwaltet und mit viel Grün. Durch Studentenzimmer, Ateliers für Künstlerinnen und Künstler, Alters-WGs, betreutes Wohnen und ein Hostel entsteht ein sozialer Mix. Die Bewohner dieses Quartiers sehen den demographischen Wandel zur höheren Lebenserwartung als Chance.

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Ein Tiny House von innen. Bild: Andrea Davis, unsplash.com

Trend «McLiving»: Wohnen im Minihaus

Experimentell sind auch die Bewohner und Bewohnerinnen von Minihäusern unterwegs. Die Bewegung rund um Tiny Houses und modulare Wohnformen aus den USA gewinnt auch in Europa an Fahrt. Sie stehen für autarkes, nachhaltiges und mobiles Wohnen. Oona Horx-Strathern wirft einen kritischen Blick auf diesen Trend. Sie nennt ihn «McLiving» und bezieht sich damit auf die massenproduzierten, schnell gebauten und billigen Heime. Sie warnt davor, Häuser nicht wie Fastfood zu behandeln, sondern fordert gesetzliche Regelungen und neue Standards. In der Schweiz setzt sich der Verein Kleinwohnformen damit auseinander. Laut Telebasel liebäugeln sie, die erste Tiny-House-Siedlung in Basel auf dem Wolf-Areal zu eröffnen.

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