4 Gründe, warum der mediale Klimahype nervt

4 Gründe, warum der mediale Klimahype nervt

Kaum ein Tag vergeht, an dem die Medien nicht über den Klimawandel berichten. Im Gegenteil, wir werden regelrecht mit solchen Meldungen zugespamt. Was soll das bringen? Ein Kommentar.

Egal, ob ich gerade Zeitung lese oder auf Social Media stöbere – überall prasseln Meldungen über den Klimawandel auf mich herein. Versteht mich nicht falsch: Ich finde es gut, dass über den Klimawandel und dessen Auswirkungen berichtet wird. Aber die Art und Weise, wie das getan wird, ist meiner Meinung nach nicht effektiv. Hier kommen vier Gründe, warum der Klimahype in den Medien nervt.

1. Anscheinend dürfen nur perfekte Menschen Kritik ausüben

Wenn ich die Kommentare lese, die sich unter Meldungen zu den Klimastreiks tummeln, sträuben sich mir die Haare. «Fürs Klima streiken, aber massenhaft Sojaprodukte aus dem Regenwald essen?» Meine Güte, dürfen denn nur noch perfekte Menschen Kritik ausüben? Nur weil es keine perfekte Alternative zu einigen Klimasünden gibt, bedeutet das doch nicht, dass man bei seinem schädlichen Verhalten bleiben soll. Wie kann man denn jemanden dafür kritisieren, ebenfalls ein Teil des Systems zu sein, in dem wir alle stecken? Die Jugendlichen haben schlussendlich herzlich wenig Einfluss darauf, wie die Nahrungsmittelindustrie oder irgendeine andere Industrie funktioniert. Nur weil die Klimastreikenden nicht perfekt sind, macht das ihre Forderungen nicht weniger legitim. Auch wenn ich selbst jeden Tag nach Berlin und zurück jetten würden, bleibt meine Aussage «Fliegen schadet dem Klima» absolut korrekt. Diese Kritik an der Heuchlerei der anderen ist heuchlerisch.

2. Der gegenseitige Vorwurf der Bevormundung ist ein Teufelskreis

«Wer fliegen will, soll fliegen. Wer nicht, soll’s doch einfach lassen. Aber hört auf, anderen vorzuschreiben, was sie zu tun haben. Leben und leben lassen!» Der Klassiker: Diejenigen, die von anderen verlangen, dass sie aufhören sollen, anderen vorzuschreiben, wie sie sich zu verhalten haben, schreiben selbst den anderen vor, dass sie das gefälligst zu unterlassen haben. Wer bevormundet nun wen? Zudem: Wer bist du, dass du anderen vorschreiben kannst, woran sie sich stören sollen und woran nicht?

3. Übertreibungen führen zu Gleichgültigkeit

Dass sich die Medien gegenseitig mit reisserischen Headlines zu übertreffen versuchen, ist nichts Neues. Bei Meldungen über den Klimawandel hat es vielleicht sogar eine gute Wirkung: Klimataube könnten so auf die tatsächliche Dringlichkeit der Problematik aufmerksam werden. Doch das Gegenteil ist genauso wahrscheinlich: Die apokalyptische Rhetorik führt dazu, dass viele Leute denken, dass sie sowieso nichts dagegen ausrichten können. Dies geschieht aus zwei Gründen: Erstens wird oft das Bild vermittelt, dass es sowieso schon zu spät sei. Wieso sich die Finger krumm machen, wenn’s eh nichts mehr bringt? Zweitens wird dem Handeln Einzelner oft die Wirkungsmacht abgesprochen. Das Verhalten eines Einzelnen kann zwar die Welt nicht retten, aber wenn alle so denken, können wir’s gleich sein lassen. Tatsächlich braucht es laut einer Studie nämlich nur 3-5% der Gesellschaft, um eine Veränderung anzustossen.

Die Weltuntergangsszenarien werden zudem oft auf weit entfernte Orte projiziert: «Die Südsee-Inseln gehen unter!», was ebenfalls problematisch ist. Dieses «Paradise Lost»-Narrativ spricht der lokalen Bevölkerung ihre Handlungsmächtigkeit ab und stellt sie als passive Opfer dar, die gerettet werden müssen. Das reproduziert koloniale Stereotypen und führt mitunter zu abstrusen Aktionen, die den Willen der lokalen Bevölkerung überhaupt nicht berücksichtigen. Die Menschen hierzulande rüttelt es auch nicht auf, da der Klimawandel so zum Problem der Anderen wird, die weit weg sind und uns nicht betreffen. Schlussendlich nützt dieser Diskurs des «verlorenen Paradieses» also niemandem etwas – ausser vielleicht der Tourismusindustrie, was dann wiederum klimaschädliches Verhalten begünstigt.

4. Entstehung von kognitiver Dissonanz

Wenn unser Verhalten nicht mit unseren Werten übereinstimmt, entsteht ein unangenehmer Spannungszustand. Um diesen aufzulösen, entwickeln Menschen verschiedene Strategien. Eine davon ist das Abwerten von Informationen, die uns dazu zwingen würden, unser Verhalten zu verändern. Wir machen uns also die Welt, wie sie uns gefällt. Auch der Klimawandel ist Opfer dieser kognitiver Dissonanz geworden. Wenn wir Artikel lesen, die uns erklären, wie klimaschädlich viele alltägliche Dinge eigentlich sind, können wir unseren inneren Zwang, das Richtige zu tun, abstellen, indem wir die Informationen als Lüge, Panikmache oder gar als Manipulationsversuch abwerten. Aus diesem Verhalten entstehen jedoch mindestens zwei Probleme: Erstens bleiben Leute so bei ihrem klimaschädlichen Verhalten und zweitens besteht die Gefahr, dass man in Verschwörungstheorien abdriftet und bald nicht mehr weiss, wo einem der Kopf steht.

Mein Fazit? Zu viel Negativität

Während die einen vor Angst gelähmt sind und denken, dass es sowieso schon zu spät ist und alles nichts mehr bringt, wird denen, die etwas tun, vorgeworfen, sie seien scheinheilige Heuchler, nur weil sie selbst nicht perfekt sind. Dann gibt es wiederum die, die sagen, dass das Verhalten eines Einzelnen sowieso nichts ändern kann und die ganze Verantwortung an die Politik abschieben – welche aber nicht schnell genug handelt. Nochmals andere sagen, dass Verzicht nichts nützt und man die ganze Problematik durch technischen Fortschritt lösen kann. Doch dieser Fortschritt geht leider viel zu langsam voran. Die Medien geben dieser gesellschaftlichen Debatte eine Plattform. Das ist eine sehr wichtige Rolle. Denn nur durch Austausch kann Fortschritt stattfinden. Doch momentan geben sich einfach nur alle gegenseitig auf den Deckel. Das ist schade. Denn so hat doch niemandem wirklich Lust, sich an der Diskussion zu beteiligen.

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