Warum Teamwork schaden kann

Warum Teamwork schaden kann

Wie oft hast du dich schon nach einem Erfolg sagen hören: «Das nennt sich eben Teamwork.» Gruppenarbeit bringt aber nicht nur Vor-, sondern leider auch Nachteile. Im Sinn von: Toll, ein anderer machts. Also Vorsicht vor Teamarbeit. Manchmal geht es allein eben doch besser.

1.     Soziales Faulenzen (Social Loafing)

Wenn ich einen Artikel für ein Magazin schreibe, bewertet die Redaktion meine individuelle Leistung. Wenn ich aber in der Gruppe an einem Text arbeite, ist es oft nicht leicht, die Leistungen des Einzelnen von den anderen im Team zu unterscheiden. Es ist wie bei einem Konzert: Da weisst du ja auch nicht, wer wie laut klatscht. Du hörst einfach den Applaus des Publikums als Gesamtheit. Wenn wir mit der Gruppe verschmelzen, verspüren wir weniger Druck. Der Vergleich mit der Leistung anderer Gruppenmitglieder fehlt. Dadurch besteht das Risiko, dass ein Teammitglied seine Anstrengung reduziert. Je grösser die Gruppe, desto höher ist in der Regel die Wahrscheinlichkeit des sozialen Faulenzens. Ein Trost gibt es: Die Tendenz, schlechtere Arbeit zu verrichten, tritt bei einfachen bzw. Routineaufgaben auf. Bei komplexen Aufgaben ist der Effekt umgekehrt. Warum? Bei fehlender Bewertung muss man sich keine Sorgen machen. So kann man eine schwierige Aufgabe entspannt angehen und erbringt daher sogar eine bessere Leistung.

2.     Trittbrettfahren (Freerider-Problem)

Wenn Gruppenmitglieder ihre Leistung im Team bewusst reduzieren, spricht man von Trittbrettfahren. Ihren Beitrag nehmen sie als verzichtbar oder unwichtig wahr. Sie überlassen die Arbeit den anderen Gruppenmitgliedern, da diese nach der eigenen Annahme, die Leistung auch ohne sie erzielen können. Wichtig ist, die Relevanz der einzelnen Beiträge zu betonen.

3.     Gimpel-Effekt / Sucker Effekt

Stellen Gruppenmitglieder fest, dass andere im Team sozial faulenzen oder Trittbrett fahren, kann es sein, dass sie selbst ihre Anstrengungen zurückfahren. Warum? Das empfundene Unrechtsgefühl trägt dazu bei, die eigenen Anstrengungen zu reduzieren. Aus der Angst heraus, ausgenutzt zu werden.

4.     Gruppendenken (group think)

Gruppendenken entsteht bei Personen, deren Streben nach Harmonie in Gruppen mit hohem Zusammenhalt, zum Beispiel unter Freunden, höher ist, als die beste Entscheidung zu treffen. Das kann fatale Folgen haben. Gemischte, interkulturelle Gruppen sind eher geschützt davor als homogene Teams.

5.     Soziale Hemmung (social inhibition)

Die Anwesenheit anderer Gruppenmitglieder kann zu einer schlechteren, individuellen Leistung führen, weil man sich durch andere Personen gehemmt oder unter Druck gesetzt fühlt. Das ist eher bei komplexen Aufgaben der Fall.

Ein Team kann aber auch positive Effekte haben!

1.     Soziale Kompensation (social compensation)

Sozial Kompensation bedeutet, dass sich ein leistungsstarkes Gruppenmitglied mehr anstrengt, um die Leistung eines schwächeren Teammitglieds zu kompensieren. Unter der Voraussetzung, dass die starken Mitglieder das Gruppenziel wertschätzen und erreichen wollen.

2.     Köhler-Effekt

Leistungsschwächere Gruppenmitglieder strengen sich mehr an, um das Ergebnis nicht zu gefährden. Der Köhler-Effekt tritt aber vor allem dann auf, wenn die individuellen Leistungsunterschiede gering sind.

3.     Social Faciliation

Sind andere Leute anwesend, kann das dazu führen, dass Gruppenmitglieder Aufgaben erfolgreicher bewältigen. Dies kommt bei einfachen oder gut gelernten, routinierten Aufgaben vor. Dass andere Menschen präsent sind, führt dazum, dass gelernte, dominante Reaktionen besser abgerufen werden. Eine andere Möglichkeit ist, dass eine Person vor Zuschauern gut dastehen will und sich deshalb mehr anstrengt.

Was tun, damit es mit dem Teamwork funktioniert?

·      Das Gruppenergebnis sollte klar von jedem Einzelnen abhängen.

·      Die Einzigartigkeit jedes einzelnen Beitrages hervorheben.

·      Die Aufgaben so gestalten, dass am Ende der Input jedes Einzelnen noch zu erkennen ist.

·      Eine Situation schaffen, in der der Einzelne in einer Gruppe besonders hart arbeiten muss, damit die Gruppe erfolgreich ist. Gleichzeitig muss das Gruppenergebnis wichtiger sein als die Einzelleistung.

·      Wettbewerb hilft und wirkt dem Social Loafing entgegen. Das funktioniert besonders gut, wenn das Ergebnis mit einer konkurrierenden Gruppe verglichen wird.

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