Ein Plädoyer fürs Duzen

Ein Plädoyer fürs Duzen

Du oder Sie? Diese Frage stellt sich heute immer noch. Privat glücklicherweise weniger, geschäftlich ziemlich oft. Ich finde: Schafft diese Siezerei endlich ab!

Im englischsprachigen Raum haben sie es begriffen: Den Professor nennen die Studenten einfach nur John, die Lehrerin Sarah. Nichts mit Mr. Williams oder Mrs. Smith. Respekt geht auch, wenn man Du sagt! Gegenseitig. Denn in England und Amerika stellen sich die Fachkräfte mit den Auszubildenden auf eine Ebene. Und da haben wir das Problem: Bei uns ist das «Du» erst ok, wenn es einem die ältere Person anbietet. Wie elitär ist das denn?

Gut, zum Glück gilt das nicht überall. Aber aufgepasst: Vermeintliche Du-Regionen sind dann plötzlich doch Orte, wo gesiezt wird. Das beste Beispiel dafür sind Läden. Im Snowboardshop- oder im Musikgeschäft ist klar: Da wird auch der 70-jährige Rentner geduzt. Schwieriger wird es schon in Boutiquen. Darf man hier duzen, auch wenn die Jeans 150 Franken kostet? Es kommt darauf an. Das Personal entscheidet. Es ist schon etwas unangenehm, wenn du die Verkäuferin duzt und sie dich konsequent siezt. Dann ist es vielleicht Zeit, aufs Sie zu wechseln. Oder einfach den Laden zu verlassen.

Wie ist das denn so im Geschäftsleben? Als Texter mache ich die Erfahrung, dass es Firmen gibt, die bei der Kundenansprache konsequent duzen. Andere siezen durchgehend. Und wie ist das so im Arbeitsleben untereinander?

Laut einer Studie unterscheidet man verschieden Arten des Duzens im Job:

1.     Das Kumpel-Du

Vom virtuellen Kontakt auf Social Media bis zu einer Begegnung in einer easy Location: Der Rahmen prägt die Stimmung und somit kommt man zur Grundannahme, dass geduzt wird. Bin ich aber automatisch der Kumpel des anderen? Nur weil die Frau neben mir auch mit dem Künstler der Galerie befreundet ist, kann ich sie nicht unbedingt duzen. Vielleicht ist sie ja seine Pressetante und stellt sich über mich?

2.     Das Stellvertreter-Du

Stell dir vor, du rufst in einer Firma an und fragst nach Herrn Meier. Die Antwort: «Ich schau mal, ob Peter da ist.» Was jetzt? Auch wenn die Mitarbeiterin mit ihrem Chef per Du ist, lieber erstmal warten bevor man am Telefon auch gleich Peter sagt.

3.     Das temporäre Du

Anstrengend. Ein Beispiel: Einmal war ein Altbundesrat in einer TV-Sendung mit Schweizer Rockurgesteinen eingeladen. Klar wäre Siezen ein wenig komisch gewesen. Auf die Frage, ob das Du für den Altbundesrat ok wäre, sagte er: «Während der Sendung können Sie mich duzen, danach möchte ich wieder gesiezt werden.» Das wäre dann das temporäre Du.

Wieso nicht einfach gleich beim Du bleiben? Warum ist es ok, Mark Zuckerberg zu duzen, aber Severin Schwan nicht? Schräg ist auch: Besteigt man einen 3000er und trifft dort oben auf andere Wanderer, ist das Duzen ok. Weil das gemeinsame Erlebnis verbindet? Wahrscheinlich schon. Global gesehen sitzen wir aber alle im selben Boot. Deshalb: Duzt euch. Und zwar mit Respekt.

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