Yes, we scan!

Yes, we scan!

Die Ausstellung ‹Poetics and Politics of Data› reflektiert die zunehmend datifizierte Welt. 

Wir alle produzieren permanent Daten. Freiwillig, wenn wir über unser Smartphone Bilder und Videos verschicken. Unfreiwillig, wenn wir beim Einkaufen unsere Bonuskarte zücken. Der Titel ‹Poetics and Politics of Data› drückt genau diese Ambivalenz aus. Die Ausstellung im Haus der elektro- nischen Künste (HeK) zeigt das Ästhetische hinter dem Phänomen ‹Big Data›. Anderseits sollen die künstlerischen Werke die gesellschaftspolitische Debatte rund um das ‹Data Mining› anregen, wie die Kunsthistorikerin und HeK-Kura- torin Sabine Himmelsbach erklärt. Wer hat Zugriff auf un-sere Daten? Wie werden aus der immensen Produktion von Daten ‹wertvolle› Zusammenhänge dargestellt? Das HeK präsentiert kritisch subversive Ansätze, die das persönliche Agieren in sozialen Netzwerken reflektieren bzw. das kreative Potenzial der globalen Netzgemeinschaft nutzen. Während fast fünf Jahren dokumentierte die britische Künstlerin Ellie Harrison jeden Schritt ihres täglichen Lebens. Ihre Tätigkeiten bildet die Datensammlerin in ‹Timelines›, minutiös übergrossen, statistischen Diagrammen ab. Christopher Baker sammelte Hunderte Video-Tagebücher aus dem Internet. In seiner Installation ‹Hello World!› (Abb.) kombiniert der Amerikaner die Kurzfilme zu einer Kako- phonie aus Stimmen, die um die Aufmerksamkeit der Betrachtenden konkurrieren. Der Luzerner Marc Lee zeigt in seiner Arbeit ‹Pic Me› die Verknüpfung von Instagram-Posts mit den Geo-Daten der User. 

Datengesellschaft. Inspirierend setzt sich das Künstlerkollektiv RYBN mit der ‹Datifizierung der Gesellschaft› aus- einander. Die französischen Kunstschaffenden haben ein Programm entwickelt, das automatisch Finanztransaktionen vornimmt. Innerhalb von Millisekunden werden Geschäfte getätigt. Die Maschine arbeitet so lange, bis sie pleite ist. «Es geht darum, aufzuzeigen, dass dadurch Tradinggeschäfte total entfesselt sind», so Himmelsbach. Im Café des HeKs befindet sich ausserdem die ‹Vending Machine› von Ellie Harrison. Sie ist mit dem Internet verbunden. Immer wenn in den Nachrichten ein Bericht zum Thema Euro-Franken- Koppelung auftaucht, spuckt der Apparat eine Gratis- Packung Chips aus. Wenn es den Leuten schlecht geht, gibt es etwas gratis zu essen, lautet die Botschaft dahinter. Parallel zur Ausstellung finden Veranstaltungen statt, etwa das Kolloquium ‹Big Data in der Medizin› (25.6.) des Mitinitianten TA-Swiss, dem Zentrum für Technologiefolgen- Abschätzung.

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